erschienen in der KuaS vom September 1999 (Heft 9/Jg.50)
Autor: Rüdiger Mattern
Ich teste nun schon seit etwa 10 Jahren verschiedene Yuccas in Freilandkultur. Die Ergebnisse sind für mich erstaunlich. Es gibt anscheinend viel mehr Yuccas aus dem Südwesten der USA als bisher angenommen, die nicht nur die kalten Winter sondern auch die Nässe bei uns ohne Schutz gut vertragen. Zur Zeit beschränke ich mich noch auf Pflanzen, die ich selbst aus Samen gezogen habe. Es werden zwar von Händlern auch große Importpflanzen angeboten, doch diese sind mir zu wertvoll und deshalb ist mir das Risiko für eine Freilandkultur zu hoch. Das Saatgut für meine Freilandyuccas beziehe ich hauptsächlich von Mesa Garden (Steven Brack, Belen New Mexico). Von New Mexico Cactus Research (Horst Kuenzler) und Christa's Cactus (Christa Roberts, Coolidge, Arizona) habe ich früher auch regelmäßig Yuccasamen bezogen, doch diese beiden haben ja leider den Samenversand eingestellt.
Die Yuccasämlinge ziehe ich zunächst in Aussaatschalen bzw. Blumenkästen heran. Das Wachstum der Sämlinge bzw. der Jungpflanzen ist in den ersten Jahren recht langsam, da die Yuccas viel Platz zum wachsen brauchen. Erst im Alter von etwa 3 Jahren pflanze ich die Yuccas in meinen Steingarten. Der richtige Zeitpunkt für die Freilandkultur ist dann erreicht, wenn die Yuccas Rhizome bzw. Verdickungen an den Wurzeln bilden. Wenn die Yuccas im Freiland nach 1 - 2 Jahren Fuß gefaßt haben, legen diese dann so richtig los.
Yucca louisianensis in Blüte, Links daneben eine zwölf Jahre alte
Yucca elata.
Links hinten Yucca rigida,
rechts Y. schottii,
rechts hinten Y. recurvifolia.
1992 habe ich von Christa's Cactus u. a. Samen von Yucca louisianensis erhalten. Diese Yucca wächst im Henderson County im Osten von Texas und wird im Volksmund als "Grass Yucca" bezeichnet. Die Literatur über Yuccas ist sehr spärlich und ich habe in den mir bekannten Büchern von S.D. Mckelvey "Yuccas of the Southwestern United States Teil 1 + 2 (1938 + 1947) und J.M.Webber "Yuccas of the Southwest" (1953) keine nähere Beschreibung von Yucca louisianensis gefunden. Yucca louisianensis hat bei mir im Alter von 5 Jahren das erste mal geblüht. Nach der Büte ist die Pflanze abgestorben, doch es hatten sich bereits 3 neue Seitentriebe gebildet, von denen im Juli 1998 wieder einer zur Blüte kam. Der Habitus der Yucca ist tatsächlich nichts besonderes: Sie sieht wirklich aus wie Gras. Mit ihrer grünlichen Blüte unterscheidet sich Yucca louisianensis jedoch von den meisten anderen Yuccas, deren Blütenfarbe zwischen weiß und cremefarben liegt. Eine große Überraschung brachte diese Pflanze für mich Mitte August als alle Blütenglocken abgefallen waren: Meine Yucca louisianensis hatte 5 Samenkapseln angesetzt ! Die größte Samenkapsel war etwa 8 cm lang und hatte einen Durchmesser von ca. 2,5 cm. Es ist sehr ungewöhnlich, daß Yuccas bei uns Samen ansetzen. In der Heimat sorgt eine kleine weiße Motte (Pronuba yuccasella) für die Bestäubung der Yuccas. Die Blüten öffnen sich am Abend und strömen um diese Zeit einen starken Duft aus. Sobald sich die Blüte öffnet dringt die Motte in die Blüte ein, legt ein Ei ab und bringt dabei den Blütenstaub auf die Narbe. Die rotbraune Larve der Motte ernährt sich von dem Yuccasamen. Sie frißt ein Loch in die Samenkapsel, durch das sie dann in die Freiheit schlüpft.
Der Blütenstand von Yucca louisianensis
Mit einer Stecknadel habe ich versucht zwei blühende Yucca thompsoniana künstlich zu bestäuben. Diese Art der künstlichen Befruchtung wurde von Herrn Hofgartendirektor Graebener aus Karlsruhe in "Die Gartenwelt" vom 3. Oktober 1903 beschrieben. Doch ich hatte keinen Erfolg damit. Die Bestäubung ist nicht einfach und gelingt oft nicht, weil man nicht den richtigen Zeitpunkt erwischt hat.
Es gibt für mich nur eine Erklärung wie es zur Bestäubung meiner Yucca louisianensis kam. Während der Blüte konnte ich beobachten, daß viele Ameisen den Blütenstengel rauf und runter liefen und sich auch in den Blüten zu schaffen machten. Ich vermute, daß meine Yucca louisianensis von den Ameisen bestäubt wurde!
Den Habitus meiner Yucca louisianensis möchte ich wie folgt beschreiben:
Die olivgrünen Blätter sind ca. 70 - 75 cm lang. Die unteren Blätter sind nach einer Länge von ca. 40 cm leicht umgebogen. An der Basis sind die Blätter 1 cm sonst bis zu 2 cm breit. Der Blattrand ist hell, fast weiß und manchmal leicht fadenbildend. Der Durchmesser der Pflanze beträgt etwa 90 bis 100 cm. Der Blütenstand ist 210 cm hoch und hat 45 - 50 Rispen die bis zu 35 cm lang sind und grünliche Blütenglocken tragen. Die Blütezeit dauerte 1998 von Mitte Juli bis Anfang August.In den Samenkapseln sind zwar einige schwarze Samen enthalten, doch kann ich mir kaum vorstellen, daß diese Samen bei dem schlechten Wetter voll ausgereift sind. Gespannt bin ich trotzdem ob bei der Aussaat im nächsten Jahr etwas keimt.