Die kleinste Yucca ? - Auf der Suche nach Yucca nana

erschienen in der KuaS vom Mai 1999 (Heft 5/Jg.50)
Text u. Fotos: Rüdiger Mattern

Im Juni 1998 war ich mit einem Bekannten auf Kakteenreise im Südwesten der USA. Wir waren nur 2 Wochen unterwegs, wollten aber in dieser kurzen Zeit die Staaten New Mexico, Colorado, Utah und Arizona bereisen.
In Yuccakreisen ist bekannt, daß in Utah eine Yucca wächst, die sich von allen anderen Arten ganz deutlich unterscheidet. Es handelt sich um eine sehr kleinbleibende, stammbildende Art, die kaum mehr als 30 cm hoch wird. Diese Art wurde erst vor kurzem von Fritz Hochstätter als Yucca nana beschrieben. Nur wenige Liebhaber kennen den Standort. Diejenigen die ihn kennen, machen fast alle ein großes Geheimnis daraus, das sie lieber für sich behalten. Von einem Bekannten bekam ich einen Tip und eine ungefähre Standortbeschreibung. Wir hatten uns vorgenommen einen Tag unserer Reise zu opfern um die geheimnisvolle Yucca in Utah aufzuspüren. 

Die bislang kleinste Yucca ? Deutlich sind am Fundort der Pflanze in der Nähe von Moab/Utah die Blütenstengel mit den abgeschnittenen Samenkapseln zu erkennen.

Der Südosten Utahs ist nur sehr dünn besiedelt. Eine größere Stadt ist Moab beim Arches Nationalpark, wo früher auch John Wayne häufig zu Gast war. Die herrliche Umgebung von Moab diente als Kulisse für unzählige Westernfilme. Auch wir schlugen hier für 2 Tage unser Zelt auf. Ich war 1991 schon einmal in Moab, doch ist die Stadt kaum wiederzuerkennen. Sie hat sich in der Zwischenzeit zu einem Mekka für Mountainbiker verwandelt, die aus aller Welt kommen um sich in den weitläufigen La Sal Mountains zwischen Kakteen und Yuccas zu tummeln.

Am 18. Juni war es dann so weit. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf die Suche nach dieser Yucca. Unsere Fahrt war jedoch schnell zu Ende als wir an einem Feldweg eine Viehsperre erreichten. Der ausgefahrene Weg mit seinen tiefen Schlaglöchern direkt nach der Viehsperre war für unseren gemieteten "Japaner" unpassierbar. Uns blieb nichts anderes übrig, als unseren Wagen am Straßenrand zu parken, den Rucksack zu schultern und unseren Weg zu Fuß fortzusetzen. Am Horizont sahen wir die Hügel, die unser Ziel waren. Nach etwa einer Stunde Fußmarsch teilte sich der Weg und wir beschlossen uns links zu halten. All die blühenden Opuntien und auch Sclerocactus parviflorus interessierten uns heute nicht. Wir wollten heute nur diese geheimnisvolle Yucca finden. Nach einem weiteren Kilometer war es dann so weit. Wir erblickten gleich neben dem Weg in rotbrauner Sandsteinerde die von uns gesuchte Yucca. Unsere Mühe hatte sich also gelohnt. Der Standort war jedoch auf ein kleines Areal an der Nordwestseite des Hügels mit etwa 100 bis 150 Pflanzen begrenzt. Im weiteren Umkreis von etwa 500 Metern fanden wir keine einzige weitere Yucca mehr. Auffallend war, daß zwar viele Pflanzen geblüht hatten, jedoch keine einzige Samenkapsel zu finden war. Bei allen Blütenstengeln wurde der obere Teil mit den Samenkapseln fein säuberlich abgeschnitten.

Nachdem wir zu unserem Wagen zurückgekehrt waren, beschlossen wir noch einen Abstecher in die La Sal Mountains zu machen. Wir legten mehrere Stops ein um den Ausblick auf die herrliche Landschaft zu genießen. Einer dieser Stops in ca. 2.050 Meter Höhe brachte für uns eine Riesenüberraschung. Wir fanden einen weiteren Standort dieser kleinen Yucca und zwar mit Pflanzen so weit man blicken konnte. Auf einer Lichtung von etwa 30 qm konnte ich mehr als 100 Yuccas zählen. Der Standort erstreckte sich auf ein relativ großes Gebiet und es müssen hier Tausende dieser Yucca wachsen. Allerdings war hier das gleiche Bild wie am ersten Standort: Alle Blütenstengel waren feinsäuberlich abgeschnitten und es war keine einzige Samenkapsel zu finden. In uns kam der Verdacht auf, daß hier im großen Stil für kommerzielle Zwecke geerntet wurde.

Eigentlich konnten wir mit dem Ergebnis des heutigen Tages zufrieden sein, doch wir hatten heute das Glück auf unserer Seite. In 2.350 Meter Höhe fanden wir einen weiteren Standort, allerdings mit nur wenigen Pflanzen und Übergangsformen zu größeren Arten. Dieser Standort war selbst unserem "Samenernter" nicht bekannt, denn hier waren die Blütenstengel nicht abgeschnitten. Dafür waren aber fast alle Samenkapseln aufgeplatzt und der Samen vom Winde verweht.

 










Diese kleine Yucca möchte ich wie folgt beschreiben: Größe 25 - 30 Zentimeter, Durchmesser 12 - 15 cm. Blätter gruen ca. 0,5 cm breit, weiß berandet mit absplitternden weißen Fasern. Die Vermehrung erfolgt hauptsächlich durch Wurzelausläufer. Sämlinge wurden kaum gefunden. Jungpflanzen, die noch keinen Stamm gebildet haben, sehen Agave parviflora sehr ähnlich.